Ein Erdbeben in Japan gehört zu den Risiken, auf die Reisende und Einwohner vorbereitet sein sollten, ohne deshalb ständig in Alarmbereitschaft zu leben. Entscheidend sind drei Dinge: verstehen, was die japanische Erdbeben-Frühwarnung tatsächlich leistet, mindestens eine zuverlässige Warn-App korrekt einrichten und zwischen einem leichten Notfallrucksack für die Evakuierung und Vorräten für mehrere Tage zu Hause unterscheiden.
Die Earthquake Early Warning der Japan Meteorological Agency, kurz JMA, ist keine Vorhersage Stunden oder Tage im Voraus. Sie wird erst nach Beginn eines Erdbebens aus Messdaten berechnet und kann je nach Entfernung zum Epizentrum einige Sekunden bis einige Dutzend Sekunden Vorsprung verschaffen – in unmittelbarer Nähe zum Herd unter Umständen gar keinen.
Wie funktioniert die Erdbeben-Frühwarnung in Japan
Japanische Seismometer erkennen zunächst die schnelleren P-Wellen eines Erdbebens. Die JMA berechnet daraus in sehr kurzer Zeit unter anderem Herd, Magnitude und die erwartete Stärke der später eintreffenden stärkeren Bodenbewegung.
Eine öffentliche Warnung wird grundsätzlich ausgegeben, wenn eine maximale Intensität von mindestens Shindo 5-jaku beziehungsweise eine entsprechend starke langperiodische Bodenbewegung erwartet wird. Sie richtet sich an Gebiete, für die mindestens Shindo 4 beziehungsweise die festgelegte Schwelle für langperiodische Bewegung prognostiziert wird.

“providing valuable seconds for people to protect themselves before strong tremors arrive.”
— Japan Meteorological Agency zur Earthquake Early Warning.
Diese Sekunden sind nicht dafür gedacht, das Gebäude zu verlassen oder persönliche Sachen zusammenzusuchen. Sie sollen reichen, um sich von Glas und hohen Möbeln zu entfernen, den Kopf zu schützen und eine sichere Position einzunehmen.
Was tun, wenn plötzlich der japanische Warnton ertönt
Das Smartphone kann einen markanten Alarmton ausgeben, gleichzeitig können Fernseher, Radio, Gebäudelautsprecher und kommunale Warnsysteme reagieren. Die JMA weist ausdrücklich darauf hin, dass man nicht erst lange den Warntext lesen sollte, wenn bereits klar ist, dass es sich um die Erdbebenwarnung handelt.
| Situation | Sofort sinnvoll |
|---|---|
| Wohnung oder Hotel | Kopf schützen, Abstand zu Fenstern und hohen Möbeln, unter stabilen Tisch gehen |
| Büro | Weg von Regalen, Glas und beweglichen schweren Geräten |
| Geschäft | Nicht zum Ausgang drängen, Kopf mit Tasche schützen, Personal folgen |
| Draußen | Abstand zu Fassaden, Mauern, Schildern und Glasflächen |
| Aufzug | Alle Etagenknöpfe drücken, bei der ersten möglichen Etage aussteigen |
| Küste | Bei starkem Beben oder Tsunamiwarnung sofort höheres Gelände aufsuchen |
Die Tokyo Metropolitan Government formuliert die Priorität eindeutig:
“When you feel the tremors of an earthquake, your first priority is your own safety.”
— Tokyo Metropolitan Government, Disaster Prevention Guide Book.
Nicht während des stärksten Bebens zum Herd laufen
Ein verbreiteter Reflex ist, sofort Gas oder Herd auszuschalten. Das kann während starker Bodenbewegung gefährlicher sein als das Feuer selbst, weil Menschen von Möbeln, Glas oder heißen Gegenständen getroffen werden können.
Die Empfehlung Tokios lautet deshalb: zuerst sich selbst schützen und Feuerquellen ausschalten, sobald das starke Schütteln nachlässt. Wer das Gebäude anschließend verlassen muss, sollte – sofern dies gefahrlos möglich ist – auch Hauptschalter und Gasversorgung berücksichtigen, um Folgebrände zu verhindern.
Welche Erdbeben-App ist in Japan sinnvoll
Für ausländische Reisende ist Safety tips die naheliegendste Basislösung. Die kostenlose App wurde unter Aufsicht der Japan Tourism Agency entwickelt und verteilt Warnungen zu Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüchen, extremem Wetter, Evakuierungen und weiteren Gefahren in 15 Sprachen.
Zusätzlich ist NERV Disaster Prevention interessant, insbesondere für Menschen, die länger in Japan leben. Die App nutzt Daten der JMA, bietet standortbezogene Erdbebeninformationen, Tsunami- und Wetterwarnungen und kann bei Earthquake Early Warnings die erwartete Intensität sowie einen Countdown bis zum Eintreffen stärkerer Erschütterungen anzeigen.
| Lösung | Geeignet für | Besonderheit |
|---|---|---|
| Safety tips | Touristen, ausländische Einwohner | 15 Sprachen, Japan Tourism Agency |
| NERV Disaster Prevention | Einwohner, häufige Japan-Reisende | detaillierte Echtzeitdaten und Karten |
| Mobilfunk-Warnung | kompatible Smartphones | direkter Massenalarm der Mobilfunkanbieter |
| JMA | alle | Primärquelle für offizielle Erdbeben- und Tsunamiinformationen |
Bei Safety tips können bis zu fünf Orte innerhalb Japans für Warnungen registriert werden. Vor der Reise sollte man Push-Mitteilungen, Standortberechtigungen und kritische Benachrichtigungen testen statt die App erst nach dem ersten Alarm einzurichten.
Reicht die automatische Warnung des Smartphones
Nicht unbedingt. Die JMA nennt NTT Docomo, au, SoftBank, Y!mobile und Rakuten Mobile als Betreiber, die Earthquake Early Warnings über ihre Mobilfunk-Infrastruktur verbreiten. Ob ein ausländisches Smartphone oder eine Reise-eSIM diese Warnungen tatsächlich empfängt, hängt jedoch von Gerät, Netz, Konfiguration und Tarif ab.
Deshalb ist ein zweiter Informationsweg sinnvoll. Safety tips oder NERV sollte man zusätzlich einrichten und nach einem stärkeren Beben offizielle JMA-, Behörden- oder Verkehrsinformationen kontrollieren.
Notfallrucksack: Was gehört wirklich hinein
Ein Notfallrucksack in Japan ist kein kompletter Sieben-Tage-Vorrat. Er soll beim schnellen Verlassen einer Wohnung beide Hände frei lassen und nur Dinge enthalten, die unmittelbar unterwegs oder in einem Evakuierungszentrum gebraucht werden. Die japanische Fire and Disaster Management Agency empfiehlt ausdrücklich einen griffbereit gelagerten Rucksack.
Die aktuelle Checkliste der Tokyo Metropolitan Government nennt unter anderem:
- ein bis zwei 500-ml-Flaschen Wasser;
- Stirnlampe;
- Ersatzbatterien;
- Smartphone-Ladegerät oder Powerbank;
- tragbare Toilette;
- Regenbekleidung;
- Helm;
- Pfeife;
- Handtuch;
- Erste-Hilfe-Material;
- Masken;
- schnell essbare Energienahrung.
Für Reisende kommen Reisepass beziehungsweise Kopien wichtiger Dokumente, Medikamente, etwas Bargeld und Kontaktdaten der Unterkunft hinzu.
Notfallrucksack und Hausvorrat sind zwei verschiedene Dinge
Das wird bei Checklisten häufig vermischt. Mehrere Liter Wasser, Lebensmittel für eine Woche und große Hygienepakete gehören nicht vollständig in den Fluchtrucksack, sondern überwiegend in den Vorrat zu Hause.
Die Feuerwehr Tokio nennt als Richtwert rund drei Liter Trinkwasser pro Person und Tag. Der aktuelle Katastrophenschutzleitfaden Tokios empfiehlt grundsätzlich Vorräte für drei Tage und nach Möglichkeit für eine Woche – einschließlich Wasser, Nahrung, Medikamenten und tragbaren Toiletten.
| Evakuierungsrucksack | Vorrat zu Hause |
|---|---|
| 0,5–1 Liter Wasser | etwa 3 Liter Wasser pro Person/Tag |
| Energieriegel, kompakte Nahrung | mehrere Tage haltbare Lebensmittel |
| Powerbank | zusätzliche Energiequellen/Batterien |
| Stirnlampe | weitere Beleuchtung |
| wenige tragbare Toiletten | größerer Toilettenvorrat |
| Medikamente für unmittelbaren Bedarf | zusätzliche Medikamentenreserve |
| Dokumente und Bargeld | weitere Haushaltsvorräte |
Das Ziel ist nicht der größtmögliche Rucksack, sondern ein Rucksack, mit dem man tatsächlich Treppen hinuntergehen und längere Strecken laufen kann.
Im Hotel: fünf Minuten Vorbereitung reichen
Wer in Japan reist, sollte nach dem Check-in kurz die Fluchtwege auf dem Zimmerplan prüfen. JNTO empfiehlt ausdrücklich, die Evakuierungswege im Hotel bereits vor einem Notfall zu kennen und Telefon sowie andere Geräte möglichst geladen zu halten.

“Earthquakes can occur at any time and strike with little or no warning.”
— Japan National Tourism Organization.
Praktisch sinnvoll ist außerdem, Schuhe nicht weit vom Bett entfernt abzustellen. Nach einem stärkeren Beben können Glassplitter und umgestürzte Gegenstände den Boden gefährlich machen; der Katastrophenschutz Tokios empfiehlt deshalb, Schuhe beziehungsweise feste Hausschuhe und Handschuhe griffbereit zu halten.
Besonders wichtig an Japans Küsten
Ein starkes oder langes Erdbeben in Küstennähe ist eine andere Situation als ein leichtes Beben in Tokio oder Kyoto. Wer sich am Meer oder an einem Fluss nahe der Küste befindet, sollte bei starkem Beben oder Tsunamiwarnung sofort in höher gelegene und sichere Bereiche wechseln.
Nicht erst zum Hotel zurückkehren, Gepäck holen oder auf Videos in sozialen Netzwerken warten. Lokale Evakuierungsschilder, Behördenanweisungen und Tsunamiinformationen der JMA haben Vorrang.
Wenn Bahnverkehr und Mobilfunk ausfallen
Nach einem größeren Beben können Züge gestoppt, Aufzüge außer Betrieb und Mobilfunknetze überlastet sein. Tokyo warnt ausdrücklich davor, automatisch lange Strecken nach Hause zu laufen; je nach Lage kann es sicherer sein, zunächst an einem sicheren Ort zu bleiben und offizielle Informationen abzuwarten.
Für akute Hilfe gelten in Japan 110 für die Polizei und 119 für Feuerwehr und Rettungsdienst. JNTO betreibt außerdem rund um die Uhr die Japan Visitor Hotline unter 050-3816-2787 beziehungsweise +81-50-3816-2787 aus dem Ausland; Unterstützung gibt es auf Englisch, Chinesisch und Koreanisch.
Häufige Fragen zu Erdbeben in Japan
Kann Japan Erdbeben vorhersagen?
Nein, die Earthquake Early Warning sagt ein Beben nicht Stunden oder Tage vorher voraus. Das System erkennt ein bereits begonnenes Erdbeben und versucht, vor dem Eintreffen der stärkeren Bodenbewegung zu warnen.
Wie viel Zeit gibt die japanische Frühwarnung?
Je nach Entfernung können es wenige Sekunden bis einige Dutzend Sekunden sein. Nahe am Erdbebenherd kann die starke Bewegung gleichzeitig mit der Warnung oder sogar vorher eintreffen.
Welche App sollten Touristen installieren?
Safety tips ist für internationale Besucher besonders praktisch, weil sie von der Japan Tourism Agency beaufsichtigt wird und 15 Sprachen unterstützt. NERV Disaster Prevention bietet ergänzend detailliertere standortbezogene Informationen.
Soll man bei einem Erdbeben sofort nach draußen laufen?
Während starker Erschütterungen normalerweise nicht. Zunächst Kopf und Körper vor fallenden Gegenständen schützen; draußen drohen unter anderem Glas, Schilder und Fassadenteile.
Wie viel Wasser sollte man zu Hause lagern?
Die Feuerwehr Tokio nennt rund drei Liter Trinkwasser pro Person und Tag als Richtwert. Für größere Katastrophen werden Vorräte für mehrere Tage empfohlen.
Muss ein Tourist einen großen Notfallrucksack kaufen?
Nein. Für eine normale Japanreise genügt meist eine kompakte Vorbereitung mit Wasser, Powerbank, Medikamenten, Licht, wichtigen Dokumenten und einigen kleinen Notfallartikeln; im Hotel sollte zusätzlich der Evakuierungsweg bekannt sein.
Was muss man nach einem Erdbeben an der Küste tun?
Bei einem starken Beben oder einer Tsunamiwarnung sofort in höher gelegene sichere Bereiche gehen. Nicht auf eine zweite Warnung warten, wenn bereits deutliche Erschütterungen aufgetreten sind.

