Am Sonntag, 15. November 2026, ist Shichi-Go-San – der Tag, an dem japanische Familien mit drei- und siebenjährigen Mädchen sowie fünfjährigen Jungen zum Schrein gehen. Wer Mitte November in Tokio, Kyoto oder Osaka ist, sieht an den großen Schreinen Kinder in Kimono und Hakama, Fotografen und lange Schlangen an den Gebetshallen. Wer in Japan lebt, muss vorher klären, ob das eigene Kind dieses Jahr überhaupt an der Reihe ist.
Die Zahlen für die bekannteste Adresse liefert der Schrein selbst: Laut Meiji Jingu, Seite „ご祈願の方へ(個人)“ nimmt die Kagura-den-Halle Gebetswünsche ohne Reservierung an, täglich von 9:00 bis 16:20 Uhr; die Zeremonien laufen etwa alle 30 Minuten. Die Weihegabe (Hatsuho-ryō) beginnt bei 5.000 Yen.
Welcher Jahrgang ist 2026 dran?
Zwei Zählweisen sind in Gebrauch. Traditionell gilt das kazoedoshi: Ein Kind ist bei Geburt eins und wird zu jedem Neujahr ein Jahr älter. Heute feiern viele Familien nach dem vollen Lebensalter (man-nenrei). Der Unterschied beträgt genau einen Jahrgang – und genau daran scheitern ausländische Eltern am häufigsten.
Die folgende Tabelle haben wir mit dem Rechner für das japanische Jahr erstellt. Er liefert Ärenjahr und Tierzeichen, die auf Anmeldeformularen der Schreine und in Fotostudios abgefragt werden.
| Anlass | Volles Alter: Geburtsjahr | Kazoedoshi: Geburtsjahr |
|---|---|---|
| 3 Jahre (Mädchen, regional auch Jungen) | 2023 = Reiwa 5, Hase | 2024 = Reiwa 6, Drache |
| 5 Jahre (Jungen) | 2021 = Reiwa 3, Ochse | 2022 = Reiwa 4, Tiger |
| 7 Jahre (Mädchen) | 2019 = Heisei 31 / Reiwa 1, Schwein | 2020 = Reiwa 2, Ratte |
Ein Sonderfall steckt in der letzten Zeile: Für 2019 zeigt der Rechner zwei Ären. Wer vor dem 1. Mai 2019 geboren ist, trägt Heisei 31 ins Formular ein, wer danach kam, Reiwa 1 (令和元年, „Gannen“). Die Schreine akzeptieren meist auch das westliche Jahr, die Ära wird aber oft erfragt.
Woher die drei Altersstufen kommen
Shichi-Go-San bündelt drei Bräuche, die laut nippon.com auf die Heian-Zeit (794–1185) zurückgehen: Mit drei durften Kinder die Haare wachsen lassen (kamioki), mit fünf trugen Jungen erstmals den Hosenrock Hakama (hakamagi), mit sieben banden Mädchen zum ersten Mal einen Obi (obitoki). Hintergrund war die hohe Kindersterblichkeit: Wer sieben wurde, galt als in die Gemeinschaft des Schreins aufgenommen.
Die Kleidung folgt bis heute diesem Schema. Dreijährige Mädchen tragen Kimono ohne Obi mit einer ärmellosen Weste (hifu), Siebenjährige den vollen Kimono mit Gürtel, Fünfjährige Hakama und Haori-Jacke. Pflicht ist das nicht – Anzug und Kleid sind ebenso üblich. Wer die Unterschiede zwischen Kimono, Yukata und Hakama nachlesen will, findet sie bei uns ab dem 30. Oktober.
Was eine Zeremonie kostet
5.000 Yen entsprechen beim EZB-Referenzkurs vom 23. Oktober 2026 (1 Euro = 175,51 Yen) rund 28,50 Euro. Ab 10.000 Yen – etwa 57 Euro – schreibt der Meiji Jingu den Namen des Kindes auf das Amulett (Ofuda), und das Ofuda wird größer. Für 5.000 Yen bleibt es ohne Namen.
- Gebet ohne Zeremonie: Münze in den Opferkasten, kein Formular, keine Wartezeit an der Kagura-den.
- Gokitō (Gebetszeremonie): ab 5.000 Yen, Formular am Eingang der Kagura-den, Gruppengebet mit anderen Familien.
- Fotostudio: Viele Studios bieten Pakete mit Kimonoverleih, Frisur und Album an. Die Preise hängen stark von Studio und Paket ab – vergleichen Sie vorab.
Viele Familien lassen die Fotos inzwischen vor oder nach dem eigentlichen Termin machen, so nippon.com. Für Touristen heißt das: Kinder in Festkleidung sieht man nicht nur am 15. November, sondern über Wochen.
Wann die Schreine voll sind – in MEZ
Ab der Zeitumstellung am 25. Oktober liegt Japan 8 Stunden vor Deutschland. Öffnet die Kagura-den um 9:00 Uhr in Tokio, ist es in Berlin 1:00 Uhr nachts; die letzte Anmeldung um 16:20 Uhr entspricht 8:20 Uhr MEZ. Wer Verwandte in Japan per Videoanruf dazuholen will, plant mit der aktuellen Uhrzeit in Japan – sonntags um 10 Uhr Tokioter Zeit schläft Deutschland noch.
Drei Zeitfenster dürften 2026 besonders voll werden: die Wochenenden 7./8. und 14./15. November sowie die Feiertage 3. November (Bunka no Hi) und 23. November (Kinrō Kansha no Hi). Der Meiji Jingu schließt seine Tore im November laut Schrein-Website bereits um 16:10 Uhr; wer spät kommt, sollte das einplanen.
Typische Fehler von Besuchern
- Kinder ungefragt fotografieren. Es sind private Familienfeiern, keine Fotomotive für Fremde. Fragen Sie vorher oder lassen Sie es.
- Im Wartebereich der Kagura-den stehen bleiben. Er ist für angemeldete Familien reserviert.
- Das falsche Jahr nennen. Wer als in Japan lebende Familie nach vollem Alter rechnet, der Schrein aber kazoedoshi erwartet, liegt um ein Jahr daneben – kurz nachfragen.
- Die Etikette am Schrein unterschätzen. Reinigung am Wasserbecken, Verbeugung, Klatschen: Die häufigsten Fehler haben wir in unserem Beitrag zur Etikette in Schrein und Tempel gesammelt.
Chitose-ame: das Mitbringsel
Viele Kinder tragen an diesem Tag eine lange Papiertüte mit Kranich- und Schildkrötenmotiv. Darin steckt chitose-ame (千歳飴), rot-weißes „Tausendjahrbonbon“ als Wunsch für ein langes Leben. Oft gehören die Stangen zu den Gaben nach der Zeremonie; als Souvenir sind sie leicht und lange haltbar.
Foto: Eingang des Fukagawa Fudō-dō in Tokio während der Shichi-Go-San-Saison. Hanonimas / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org.

