Als mir eine Kollegin in Kyōto erklärte, sie sei „Feuer-Hase“, habe ich nur den Hasen verstanden. Das Element hat sie mir extra erklären müssen — und seitdem weiß ich, dass ein Tierkreiszeichen ohne sein Element nur die halbe Auskunft ist, ungefähr so, als würde man einer Person nur den Vornamen nennen.
Ein zweiter Zyklus über dem ersten
Die zwölf Tiere kennt inzwischen fast jeder — Ratte, Büffel, Tiger und so weiter, wie im großen Guide zum chinesischen Sternzeichen beschrieben. Weniger bekannt ist, dass sich über diesen Zyklus ein zweiter legt: fünf Elemente, die in einer festen Reihenfolge zehn Jahre lang zusammen mit den Tierzeichen wandern.

Die Reihenfolge ist nicht willkürlich, sondern folgt einer traditionellen Erzeugungslogik: Holz nährt Feuer, Feuer erzeugt Erde (als Asche), Erde birgt Metall, Metall sammelt Wasser (als Kondensation), Wasser nährt wiederum Holz. Ein geschlossener Kreislauf, der sich alle fünf Stationen wiederholt — nur eben in einem anderen Takt als die zwölf Tierzeichen.
Warum zwei Jahre pro Element
Jedes Element regiert nicht ein, sondern zwei Jahre in Folge: einmal in seiner Yang-Ausprägung (aktiv, gerade Jahreszahl) und einmal in seiner Yin-Ausprägung (empfangend, ungerade Jahreszahl). 2024 und 2025 etwa stehen beide unter Holz, unterscheiden sich aber in der Polarität. Erst danach übernimmt für zwei Jahre das nächste Element, Feuer.
Der 60-Jahre-Zyklus
Rechnet man nach, ergibt sich daraus eine hübsche Zahl: 12 Tierzeichen mal 5 Elemente ergeben 60 mögliche Kombinationen, bevor sich exakt dieselbe Paarung — etwa „Metall-Pferd“ — wiederholt.

Genau deshalb gilt der 60. Geburtstag in Japan traditionell als besonderer Meilenstein: kanreki (還暦), wörtlich „Rückkehr des Kalenders“. Wer 60 wird, hat exakt die Kombination erreicht, mit der das eigene Leben begonnen hat — früher wurde das mit einer knallroten Weste gefeiert, einem Farbton, der traditionell für Babys reserviert war. Der Kreis schließt sich, im wahrsten Sinne.
Was ein Element „bedeutet“
Die zugeschriebenen Eigenschaften — Holz für Wachstum, Feuer für Tempo, Erde für Stabilität, Metall für Klarheit, Wasser für Anpassung — stammen aus der klassischen chinesischen Naturphilosophie (wuxing, 五行) und wurden in Japan als gogyō übernommen, unter anderem in Medizin, Kalenderkunde und eben der Tierkreis-Astrologie. Wichtig ist der Unterschied zur westlichen Astrologie: Es geht hier nicht um Persönlichkeitstests, sondern um ein traditionelles Ordnungssystem für Zeit selbst — Jahre, Jahreszeiten, Himmelsrichtungen.
Dein eigenes Element finden
Element und Tierzeichen lassen sich nicht getrennt betrachten — beide ergeben sich aus demselben Geburtsjahr, wobei bei Januar- und Februar-Geburtstagen wieder das bewegliche Datum des chinesischen Neujahrs eine Rolle spielt. Wie groß der Unterschied dabei ausfallen kann, zeigen wir konkret in Chinesisches Neujahr: Warum die meisten Sternzeichen-Tabellen falsch liegen. Dein eigenes Jahr — Zeichen und Element zusammen — findest du hier:
„Bis zu diesem Gespräch dachte ich, ‚chinesisches Sternzeichen‘ bedeutet zwölf Tiere, fertig. Dass darüber noch ein ganzer zweiter Zyklus liegt, hat mir eine einzige Kollegin beim Mittagessen beigebracht — für mich der Moment, an dem aus einer netten Spielerei ein echtes System wurde.“
— Miriam Falkner, Redaktion Japanzeit
Häufige Fragen
Ändert sich mein Element jedes Jahr?
Nein — dein Element steht mit deinem Geburtsjahr fest, genau wie dein Tierzeichen. Was sich jährlich ändert, ist das Element des jeweils aktuellen Jahres, nicht das der eigenen Geburt.
Warum genau fünf Elemente und nicht vier wie in Europa?
Die klassische chinesische Naturphilosophie unterscheidet sich grundlegend von der antik-griechischen Vier-Elemente-Lehre, die in Europa nachwirkt. Beide Systeme sind eigenständig entstanden und lassen sich nicht direkt ineinander übersetzen.
Hat jedes Element eine Glücksfarbe oder Richtung?
In der traditionellen Zuordnung ja — Holz mit Grün und Osten, Feuer mit Rot und Süden, Erde mit Gelb und Zentrum, Metall mit Weiß und Westen, Wasser mit Schwarz/Blau und Norden. Diese Zuordnungen stammen aus der Kalender- und Himmelsrichtungslehre und werden bis heute etwa in der Feng-Shui-Praxis verwendet. Mehr dazu, wie wir bei Japanzeit mit solchen traditionellen Quellen umgehen, steht unter So arbeiten wir.
Wer beim nächsten runden Geburtstag genau nachrechnet, wann der eigene 60. ansteht, weiß jetzt auch, warum genau dieser Tag in Japan mehr ist als eine runde Zahl.
